Sommerkonzert 2026
The Loves of Dido and Aeneas — Instrumental erzählt
Sonntag, 19.7.2026, 17 Uhr
Lutherkirche München Giesing, Bergstraße 3, 81539 München
Künstlerische Leitung: Penelope Spencer
Unter Mitwirkung von
Barockconnections Blockflötenconsort (Leitung: Tatiana Flickinger)
Barockconnections Gambenconsort (Leitung: Anna Zimre)
Mit Dido and Aeneas schuf Henry Purcell eines der eindringlichsten Musiktheaterwerke des Barock. Liebe und Pflicht, Hoffnung und Täuschung, Gemeinschaft und Zerstörung begegnen sich in einer Musik von großer emotionaler Dichte. Für unser Sommerkonzert nähern wir uns diesem Werk aus einer besonderen Perspektive: als instrumentale Erzählung.
Die Aufführung verbindet ausgewählte Nummern aus Oper und Prolog zu einem dramaturgischen Bogen. Neben Ouvertüren, Ritornellen und Tänzen erklingen auch Airs, Chöre und instrumentale Soli. Ergänzt wird die Musik durch eine eigens für diesen Abend geschriebene Erzählung, die das Publikum in die Welt des Londoner Musiktheaters um 1700 führt.
Dabei geht es nicht darum, die Oper ohne Sängerinnen und Sänger einfach zu ersetzen. Vielmehr stellt sich die Frage: Wie erzählt Musik selbst? Wie werden Figuren, Gefühle und Konflikte hörbar, wenn die Instrumente ihre Stimmen übernehmen?
Purcells Musik zeichnet Charaktere nicht nur als Personen, sondern auch als Kräfte, die aufeinander wirken. Dido steht für Würde, Liebe und Verletzlichkeit. Aeneas verkörpert Pflicht, Ehrgeiz und Unsicherheit. Die Hexen erscheinen als Stimmen der Störung und des Chaos, während Hofgesellschaft und Seeleute unterschiedliche Formen menschlichen Zusammenlebens spiegeln. Die Handlung wird so zu einem Spiel gegensätzlicher Energien, die sich in Klang, Rhythmus und Bewegung ausdrücken.
Besonders die Tänze machen diese Kräfte unmittelbar erfahrbar. Sie bilden das pulsierende Zentrum der Oper. Bewegung entsteht aus Gewicht, Impuls und gemeinsamer Zeit. Die Musik lädt dazu ein, Spannungen körperlich mitzuerleben: als Aufbruch und Gleichgewicht, als Verführung und Verwirrung, als Triumph und Verlust. Wo die höfischen Tänze Ordnung und Harmonie entfalten, geraten diese in der Hexenmusik ins Wanken. Rhythmen verschieben sich, Erwartungen werden unterlaufen, das Gleichgewicht geht verloren.
Die unterschiedlichen Klangfarben des Ensembles verleihen den Szenen ihre eigene Gestalt. Blockflöten, Oboen, Fagott, Gamben und Streicher treten immer wieder in wechselnden Rollen hervor und werden selbst zu Erzählern der Geschichte.
Auch das Publikum ist eingeladen, Teil dieses Experiments zu werden. Die Theater des Barock waren keine stillen Konzertsäle. Zustimmung, Ablehnung, Begeisterung oder Empörung wurden hörbar gezeigt. Am Ende des Abends darf deshalb mit Applaus, Zurufen, Jubel oder auch Buhrufen auf die Figuren und ihre Entscheidungen reagiert werden. Wer hat bewegt? Wer hat überzeugt? Wer hat sich unmöglich verhalten?
So entsteht ein Abend zwischen Konzert, Theater und musikalischer Zeitreise – eine Begegnung mit Purcells Meisterwerk, die den Reichtum seiner Musik aus einer ungewohnten Perspektive erfahrbar macht.
Eintritt frei — um Spenden wird gebeten